Biografie Christina Simon

Christina Simon will die Wirklichkeit nicht beschreiben, sie will die Wirklichkeit durch sich selbst filtern, drehen und wenden und Neues finden. Den Gedanken manifestieren, eine Idee festhalten, ihnen Form geben, ist notwendig.
Die Sprache Christina Simons ist die Kunst, ihre Technik der Hochdruck, ihr Werkzeug das Linolschnittmesser. Das Experiment zieht sich durch als Methode. Dramatik und barocke Verschwendungssucht bestimmen die Komposition. Unruhige, kraftvolle Linien, mit hoher Geschwindigkeit geschnitten, formen die Aussage. Farben betonen und ordnen. Die Zeichen entstehen aus dem Reduzieren des Vorgefundenen. Zum Stempel geschnitten und immer wieder anders verknüpft, entstehen neue semantische Qualitäten.

Der Blick auf die Biographie erklärt den Ausdruckswillen und die Ausdrucksform.
Christina Simon wurde 1963 in Weißenfels geboren. Aufgewachsen ist sie mit ihren zwei Brüdern im elterlichen Wirtshaus in Markröhlitz.Ein protestantisches Wertesystem, gerichtet auf Leistung und Nutzen auf der einen Seite, die Sinnlichkeit des menschlichen Miteinanders im Wirtshausleben auf der anderen Seite sind das Spannungsfeld, in dem die Erziehung stattfand. Das ließ Platz für enorme Freiräume, Eigensinn und Unabhängigkeit.
Die Affinität zu Materialien kommt vom Beruf des Vaters, einem Werkzeugmacher.
Mutter und Tante, zwei konträre und relativ selbst bestimmte Frauen, lehrten Aufrichtigkeit und Verantwortungsbewusstsein. Nie musste sie mit zwei Wahrheiten leben und konnte daher aufrecht durch ein totalitäres System gehen. Das ist eine unübliche Biografie. Logischerweise war Christina Simon bereits als Kind in der Schule und später im Studium einem starken Gegenwind ausgesetzt.
Möglichkeiten erkennen und diese für sich wahrnehmen, gehören zu ihrer persönlichen Grunddisposition, außerdem Willenskraft und gesunder Fatalismus.
Aus eigenem Antrieb entschied sie sich für Abitur und Studium, orientierte sich in der Auswahl der Studienrichtung an ihren Talenten und arrangierte sich mit den eingeschränkten Vorgaben des Staates. Von 1982 bis 1987 studierte sie in Erfurt Mathematik und Kunst. Schon in dieser Zeit und auch später in der sich anschließenden Lehrtätigkeit fand Christina Simon Wege, ihre grafische Begabung zu forcieren.
Daneben richtete sie immer wieder ihr Augenmerk auf die Geisteswissenschaften, absolvierte von 1992 bis 1997 ein Zusatzstudium der Religionspädagogik und findet in den Geisteswissenschaftlern erstmals Lehrer, die sie auch in ihrer künstlerischen Arbeit bestärken.
Mittlerweile hat sich Christina Simon zu einer in ihrer Region etablierten Künstlerin entwickelt. Zahlreiche Beteiligungen an Ausstellungen wie den Triennalen Sachsen - Anhalt, im Romanischen Haus Bad Kösen oder im Landtag Magdeburg und die Personalausstellungen u. a. in der Burg Querfurt, auf der Neuenburg bei Freyburg, im Dom und in der Kleinen Synagoge zu Erfurt, oder im Schloss Neu Augustusburg Weißenfels belegen dies.
Den Betrachter herauszufordern und einzubeziehen, ist sowohl in beruflicher, wie künstlerischer Hinsicht eines ihrer Arbeitsprinzipien geworden. Die logische Konsequenz sind Projekte wie TRINOM oder BRAND SANIERUNG, die Christina Simon seit einigen Jahren initiiert und organisiert. Zudem hat sie Lehraufträge zur Fortbildung von Kunstlehrern.
Wirkungsstätte Christina Simons ist Weißenfels, hier arbeitet sie und lebt mit ihrer Familie.


Birgit Schulz